Mietminderungstabelle: Urteile mit Quote und Aktenzeichen
Wie viel Miete darf ich bei Schimmel, Heizungsausfall oder Lärm mindern? Ich habe 44 Gerichtsentscheidungen zu typischen Mängeln zusammengestellt – jede mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Link zur Fundstelle. Aufgenommen habe ich nur Entscheidungen, die im Volltext oder in mindestens zwei unabhängigen Quellen übereinstimmend nachprüfbar sind. Viele Tabellen im Internet übernehmen fehlerhafte Angaben ungeprüft voneinander; solche Fälle habe ich bewusst weggelassen.
So lesen Sie die Tabelle
- Die Minderungsquote ist immer eine Entscheidung im Einzelfall. Die Werte sind Orientierung, kein Anspruch auf genau diese Quote.
- Nach dem Bundesgerichtshof wird die Minderung von der Bruttomiete berechnet. Ältere Entscheidungen beziehen sich teils noch auf die Nettomiete; das habe ich jeweils vermerkt.
- Unerhebliche Mängel berechtigen nicht zur Minderung. Entscheidungen mit 0 % zeigen, wo Gerichte keinen (erheblichen) Mangel gesehen haben.
- Baulärm von Nachbargrundstücken ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs seit 2020 grundsätzlich kein Mangel. Ältere, großzügigere Berliner Entscheidungen sind damit überholt.
- Bei einer energetischen Modernisierung ist die Minderung für drei Monate ausgeschlossen (§ 536 Abs. 1a BGB).
- Wer zu viel mindert, riskiert bei Rückständen die Kündigung. Lassen Sie die Quote im Zweifel prüfen und zahlen Sie unter Vorbehalt.
Heizung, Warmwasser und Raumtemperatur
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Totalausfall der Heizung in der Heizperiode (Oktober bis Dezember) | 70 %Bezugsgröße: Warmmiete | AG Charlottenburg, 07.06.2013 216 C 7/13 zwei übereinstimmende Quellen |
| Heizungsausfall in der Heizperiode, Notbeheizung mit GasöfenÄltere Entscheidung; damals noch von der Nettomiete berechnet. | 70 %Bezugsgröße: Nettokaltmiete | LG Berlin, 29.07.2002 61 S 37/02 zwei übereinstimmende Quellen |
| Mindesttemperatur von 20 °C an mehreren Tagen stundenlang unterschritten | 10 %Bezugsgröße: Miete | AG Potsdam, 30.04.2012 23 C 236/10 zwei übereinstimmende Quellen |
| Raumtemperatur dauerhaft nur 18 bis 19 °C | 5 %Bezugsgröße: Miete | LG Berlin, 08.06.2012 63 S 423/11 zwei übereinstimmende Quellen |
| Warmwasser fällt fast einen ganzen Tag aus, Duschen unmöglich | 15 % (für diesen Tag)Bezugsgröße: Tagesmiete | AG Köln, 20.04.2011 201 C 546/10 Volltext geprüft |
| Warmwasser wird beim Duschen erst verzögert ausreichend warm | 5 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Brandenburg, 13.02.2023 31 C 210/21 Volltext geprüft |
| Defekte Gastherme; Mieter nutzt die Wohnung nicht selbstGrundsatz: Die Minderung hängt nicht davon ab, ob der Mieter die Wohnung tatsächlich nutzt. | Minderung möglich | BGH, 22.08.2018 VIII ZR 99/17 Volltext geprüft |
Feuchtigkeit, Schimmel und Fenster
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Schimmel durch Wärmebrücken in einem Altbau, der dem Baustandard seiner Errichtungszeit entsprichtVorinstanzen hatten 10 % bzw. 20 % gewährt; der BGH hob auf. Zumutbar ist zwei- bis dreimaliges Stoßlüften am Tag. | 0 % | BGH, 05.12.2018 VIII ZR 271/17 Volltext geprüft |
| Bloße „Schimmelgefahr“ ohne tatsächlichen Befall | 0 % | BGH, 05.12.2018 VIII ZR 67/18 Volltext geprüft |
| Schimmel, der nach Gutachten auf das Heiz- und Lüftverhalten des Mieters zurückgehtWarnfall: Die Mieter hatten 20 % gemindert; die fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzugs war wirksam. | 0 % | BGH, 11.07.2012 VIII ZR 138/11 Volltext geprüft |
| Leicht undichte Holzfenster mit Zugluft, kleiner WasserfleckGeringfügige Mängel berechtigen nicht zur Minderung (§ 536 Abs. 1 Satz 3 BGB). | 0 % | AG Schöneberg, 26.08.2015 104 C 85/15 zwei übereinstimmende Quellen |
Lärm und Umwelteinflüsse
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Baulärm und Schmutz von einer Baustelle auf dem NachbargrundstückLeitentscheidung: kein Mangel, wenn auch der Vermieter die Störungen entschädigungslos dulden muss. Das LG Berlin hatte 10 % gewährt. | grundsätzlich 0 % | BGH, 29.04.2020 VIII ZR 31/18 Volltext geprüft |
| Großbaustelle gegenüber, Lärm und StaubBestätigt VIII ZR 31/18; AG Charlottenburg und LG Berlin hatten je 15 % gewährt. | grundsätzlich 0 % | BGH, 24.11.2021 VIII ZR 258/19 Volltext geprüft |
| Neu gebauter Bolzplatz neben der Wohnung„Bolzplatz-Entscheidung“: Umweltmangel nur, wenn der Vermieter selbst Abwehr- oder Ausgleichsansprüche hat. | grundsätzlich 0 % | BGH, 29.04.2015 VIII ZR 197/14 Volltext geprüft |
| Baustellenpumpen, Nachtwert leicht überschritten, bei geschlossenem Fenster eingehaltenMangel jedenfalls unerheblich. | 0 % | BGH, 21.02.2012 VIII ZR 22/11 Volltext geprüft |
| Lärm durch Feriengäste in NachbarwohnungenEin Lärmprotokoll ist nicht erforderlich; es genügt, Art, Tageszeit, Dauer und Häufigkeit der Störungen zu beschreiben. | Minderung möglich | BGH, 29.02.2012 VIII ZR 155/11 Volltext geprüft |
| Trittschall nach Dachgeschossausbau, Schallschutz entspricht der Norm zur Bauzeit | 0 % | BGH, 05.06.2013 VIII ZR 287/12 Volltext geprüft |
| Zwei Gaststätten im Haus, nächtliche RuhestörungÄltere Entscheidung; damals noch von der Nettomiete berechnet. | 40 %Bezugsgröße: Nettokaltmiete | LG Berlin, 05.08.2002 67 S 342/01 zwei übereinstimmende Quellen |
| Speiselokale im Haus: Abluftlärm, Gerüche, verwahrloster Müllplatz | 25 %, später 20 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Lichtenberg, 16.03.2004 6 C 239/03 zwei übereinstimmende Quellen |
| Zigarettenrauch von der Terrasse einer Gaststätte | 0 % | LG Berlin, 15.07.2005 65 S 408/04 zwei übereinstimmende Quellen |
Aufzug, Technik und Ausstattung
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Aufzug fällt rund dreieinhalb Monate aus | 10 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Brandenburg, 14.09.2020 31 C 168/19 (2) Volltext geprüft |
| Aufzug 16 Tage außer Betrieb, Wohnung im 10. Obergeschoss | 20 % (nur für die Ausfalltage)Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Mitte, 19.04.2007 10 C 24/07 zwei übereinstimmende Quellen |
| Aufzug 16 Tage außer Betrieb, Wohnung im 6. Obergeschoss | 15 % (nur für die Ausfalltage)Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Mitte, 03.05.2007 10 C 3/07 zwei übereinstimmende Quellen |
| Aufzug defekt, Wohnung im 3. Obergeschoss | 10 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Mitte, 11.06.2020 10 C 104/19 zwei übereinstimmende Quellen |
| Aufzug rund drei Wochen defekt, Dachgeschoss, schwerbehinderter MieterDie Schwerbehinderung erhöhte die Quote nicht. | ca. 14 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Schöneberg, 26.08.2015 104 C 85/15 zwei übereinstimmende Quellen |
| Gegensprechanlage mit Türöffner: Totalausfall bzw. Besucher nicht hörbar | 5 % bzw. 3 %Bezugsgröße: Miete | LG Berlin, 18.11.2004 67 S 173/04 zwei übereinstimmende Quellen |
| Elektroinstallation reicht nicht für Waschmaschine und Staubsauger gleichzeitigMindeststandard einer zeitgemäßen Wohnung. | Mangel bejaht | BGH, 10.02.2010 VIII ZR 343/08 Volltext geprüft |
| Strom gesperrt, weil der Mieter beim Versorger im Rückstand warUrsache liegt beim Mieter. | 0 % | BGH, 15.12.2010 VIII ZR 113/10 Volltext geprüft |
| Küche: Herd, Spüle und Waschmaschine nach Arbeiten nicht wieder angeschlossenDie Quote bezieht sich nur auf die Küche, nicht auf die Gesamtmiete. | 60 % des KüchenanteilsBezugsgröße: Wohnwert der Küche | AG Köln, 22.12.2009 205 C 143/09 Volltext geprüft |
| Telefon- und Internetleitung im Haus 14 Monate gestört | 10 %Bezugsgröße: Miete | LG Essen, 21.07.2016 10 S 43/16 Volltext geprüft |
Wohnfläche, Balkon, Gerüst und Umfeld
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Wohnfläche mehr als 10 % kleiner als vereinbartLeitentscheidung zur 10-%-Grenze. | im Verhältnis der FlächenabweichungBezugsgröße: Miete | BGH, 24.03.2004 VIII ZR 295/03 Volltext geprüft |
| Wohnfläche „ca. 180 m²“, tatsächlich 154,83 m²Berliner Fall; zugleich Grundsatz: Die Minderung wird von der Bruttomiete berechnet. | 13,98 %Bezugsgröße: Bruttomiete | BGH, 20.07.2005 VIII ZR 347/04 Volltext geprüft |
| Flächenangabe mit „ca.“Der Zusatz „ca.“ schafft keinen zusätzlichen Spielraum. | volle AbweichungBezugsgröße: Miete | BGH, 10.03.2010 VIII ZR 144/09 Volltext geprüft |
| Flächenangabe mit dem Zusatz, sie diene „nicht zur Festlegung des Mietgegenstandes“Fall aus Potsdam. | 0 % | BGH, 10.11.2010 VIII ZR 306/09 Volltext geprüft |
| Ganzes Haus eingerüstet, Balkon und Fenster nicht nutzbar, Baulärm (Wärmedämmung)Erst nach den ersten drei Monaten, weil die energetische Modernisierung so lange minderungsfrei ist (§ 536 Abs. 1a BGB). | 25 %Bezugsgröße: Miete | AG Bonn, 23.06.2020 206 C 233/19 Volltext geprüft |
| Im Mietvertrag zugesagter Balkon („Balkon geplant“) nicht gebaut | 3 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Brandenburg, 22.05.2015 31 C 256/14 Volltext geprüft |
| Balkon von der Bauaufsicht gesperrt | 4,19 %Bezugsgröße: Bruttomiete | AG Köln, 14.03.2013 221 C 345/12 Volltext geprüft |
| Mülltonnenplatz vor das Küchenfenster verlegt, nur optisch störend | 0 % | AG Brandenburg, 13.10.2017 31 C 156/16 Volltext geprüft |
Ungeziefer, Gerüche, Trinkwasser und Hitze
| Mangel | Minderung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Ratten in Wohnung und Garten | 80 % (für einen Monat)Bezugsgröße: Miete | AG Dülmen, 15.11.2012 3 C 128/12 Volltext geprüft |
| Mäuse und Kakerlaken in einer InnenstadtwohnungÄltere Entscheidung. | 10 %Bezugsgröße: Miete | AG Bonn, 08.02.1985 6 C 277/84 zwei übereinstimmende Quellen |
| Muffiger Geruch in der ganzen Wohnung | 5 %Bezugsgröße: Miete | AG Köln, 07.07.2020 227 C 6/17 Volltext geprüft |
| Leitungswasser nach Rohrinnensanierung mit Epoxidharz nicht als Trinkwasser geeignet | 20 %Bezugsgröße: Miete | AG Köln, 20.04.2011 201 C 546/10 Volltext geprüft |
| Obergeschoss im Sommer tags um 30 °C, nachts über 25 °C, Wärmeschutz unter Baustandard | 20 % (Sommermonate)Bezugsgröße: Miete | AG Hamburg, 10.05.2006 46 C 108/04 zwei übereinstimmende Quellen |
| Hitze im Passivhaus ohne Klimaanlage, bei Anmietung bekannt | 0 % | AG Frankfurt am Main, 19.06.2019 33 C 299/19 (51) zwei übereinstimmende Quellen |
Grundsätze des Bundesgerichtshofs
- Die Minderung wird von der Bruttomiete berechnet, also von der Miete einschließlich der Nebenkostenvorauszahlung. (BGH, 06.04.2005 – XII ZR 225/03)
- Das gilt auch für Wohnraum. (BGH, 20.07.2005 – VIII ZR 347/04)
- Wer trotz eines während der Mietzeit aufgetretenen Mangels vorbehaltlos weiterzahlt, verliert dadurch sein Minderungsrecht nicht ohne Weiteres; in Betracht kommen nur Verwirkung oder ein stillschweigender Verzicht. (BGH, 16.07.2003 – VIII ZR 274/02)
„Volltext geprüft“: Die Entscheidung habe ich im Volltext bzw. in einer amtlichen Entscheidungsdatenbank nachgeprüft. „Zwei übereinstimmende Quellen“: Gericht, Datum, Aktenzeichen und Quote stimmen in mindestens zwei voneinander unabhängigen Veröffentlichungen überein; der Volltext war nicht frei zugänglich. Weitere Begriffe rund um Mängel finden Sie in meiner Mietrechtsfibel, etwa Mietminderung, Mängelanzeige und Schimmel.
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Diese Übersicht dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: Oktober 2026.